Das Weimarer Dreieck in Europa - Divergenzen und Konvergenzen. Deutschland, Frankreich und Polen | CIERA

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Das Weimarer Dreieck in Europa - Divergenzen und Konvergenzen. Deutschland, Frankreich und Polen

Internationale Sommerschule an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München
Veranstalter: Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien und das Deutsch-Polnische Promotionskolleg „Polen und Deutschland im modernen Europa“ der LMU München Centre interdisciplinaire d’études et de recherches sur l’Allemagne (CIERA) Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Universität Wrocław
 

 

1. Thema

Lange Zeit wurde die Europäische Union als eine „immer engere“ Gemeinschaft von Staaten angesehen, die nicht nur intergouvernemental, sondern auch durch viele suprastaatliche Strukturen miteinander verbunden ist. Sowohl im zwischenstaatlichen Bereich als auch auf der Ebene der Suprastaatlichkeit sind zunächst Frankreich und Deutschland treibende Kräfte gewesen, nach dem Beitritt Polens zur Europäischen Union ist diesem im Zeichen des Weimarer Dreiecks eine vergleichbare Rolle zugeschrieben worden. Zwar kann man in vielen Bereichen der europäischen Integration von weit fortgeschrittenen Konvergenzen sprechen, allerdings sind heute auch Tendenzen der Divergenz nicht zu übersehen. Während einerseits Paris und Berlin entsprechende Schritte, wie die Einführung eines EU-Finanzministeriums erwägen, warnte andererseits EU-Ratspräsident Donald Tusk sogar vor einem in mittelfristiger Perspektive möglichen Austritt Polens aus der EU.
Es reicht nicht, das für die EU grundlegende deutsch-französisch-polnische Verhältnis lediglich tagespolitisch zu analysieren. Vielmehr ist nach den gesellschaftlichen Hintergründen seiner Entwicklung zu fragen: Welche Motivationen stehen für eine stärkere Integration, welche bilden die treibende Kraft für eine klarere Abgrenzung innerhalb Europas und der EU? Da unter anderem Geschichtsbewusstsein eine produktive Rolle im EU-Integrationsprozess zukommen soll - etwa ein transnationales Holocaustgedenken - , ist danach zu fragen, ob Geschichte diese Funktion überhaupt erfüllen kann oder nicht eher ein Motor der Divergenz ist, da sie - wie etwa die Geschichte des Zweiten Weltkriegs - in Frankreich, Deutschland und Polen mit unterschiedlichen Akzenten erzählt wird.

Abgesehen von der Rekonstruktion der kulturellen Hintergründe muss weiter bedacht werden, dass die europäische Einigung auch in der Vergangenheit keineswegs ein teleologisch verlaufender Prozess gewesen ist, sondern immer wieder durch Krisen erschüttert wurde. In der Sommerschule soll daher auch untersucht werden, wie Integrationskrisen der Europäischen Union in der Vergangenheit entstanden und überwunden worden sind. Schließlich soll über die Europäische Union hinausblickend danach gefragt werden, welche Erfahrungen europäische Gesellschaften mit Prozessen von Konvergenz und Divergenz gemacht haben. Politische Umbruchphasen wie die internationale Studentenbewegung 1968 oder das aktuelle Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen bieten sich ebenso an, wie der wirtschaftliche Strukturwandel seit den 1970er oder die digitale Revolution seit den 1990er Jahren. Dabei können Diskurse zu Menschenrechten oder Ordnungsvorstellungen, öffentliche Debatten über Geschlechterbeziehungen, aber auch geographische und geopolitische Diskurse (Raumkonstruktionen, erzählte Räume), wie Fragen des Konsums und der Alltagspraxis untersucht werden.

Ausgehend von Deutschland, Frankreich und Polen (andere europäische Länder nicht ausgeschlossen) besteht das Ziel der Sommerschule darin, die europäischen Erfahrungen von Konvergenz und Divergenz zu analysieren. Die Teilnehmer/innen sollen die Gelegenheit bekommen, dem Thema der Sommerschule nahestehende Examens- und Promotionsprojekte vorzustellen und zu diskutieren.

Schwerpunktthemen der Sommerschule sind:

  • Kulturelle Hintergründe der EU-Integrationskrise
  • Politische Erfahrungen mit Integrationskrisen
  • Weimarer Dreieck: Konflikte und Entwicklungspotentiale zwischen Frankreich, Deutschland und Polen
  • Erfahrungen europäischer Gesellschaften und ihrer Nachbarn mit Konvergenz und Divergenz

2. Programm

Die Sommerschule findet an der Ludwig-Maximilians-Universität in München statt.
Um einen maximalen Austausch zwischen den beteiligten Zentren und Fächern zu gewährleisten, nutzt die Sommerschule vielfältige didaktische Ansätze und operiert mit unterschiedlichen Arbeitsformaten: Ein Eröffnungsvortrag und eine Podiumsdiskussion mit hervorragenden Wissenschaftler/innen aus Frankreich, Polen und Deutschland ermöglicht den Teilnehmer/innen eine profunde Einführung in die Thematik der Sommerschule und hilft ihnen, sich als Arbeitsgemeinschaft zusammenzufinden. In zwei kleinen Arbeitsgruppen werden die Teilnehmer/innen durch gemeinsame Lektüre und Diskussion grundlegender Texte mit unterschiedlichen Perspektiven und methodischen Zugängen vertraut gemacht. Dabei dienen die skizzierten erinnerungskulturellen und diskursanalytischen Fragestellungen jeweils als Leitmotive. Außerdem haben die Teilnehmer/innen die Gelegenheit, eigene Projekte und Themen vorzustellen. Die Ergebnisse der Sommerschule werden abschließend im interdisziplinären Plenum vorgestellt und diskutiert. Darüber hinaus sind im Rahmen der Sommerschule Gastvorträge renommierter Wissenschaftler/innen sowie ein vielfältiges kulturelles Begleitprogramm vorgesehen.

3. Bewerbung und Auswahl

Die Sommerschule richtet sich an Promovierende sowie Masterstudierende aus den DAAD-Zentren für Deutschland- und Europastudien und deren Partnerorganisationen. Die maximale Teilnehmerzahl beträgt 18 Personen.
Arbeitssprache ist Deutsch. Gute Deutschkenntnisse sind daher erforderlich.
Die Auswahl erfolgt auf Grundlage der schriftlichen Bewerbungen und wird von den an der Durchführung der Sommerschule beteiligten Wissenschaftler/innen getroffen.
Die Bewerbungsunterlagen (tabellarischer Lebenslauf, Motivationsschreiben und kurze Projektskizze des Forschungsvorhabens) sind bis zum 30. April 2018 per E-Mail an die Koordinatorin des Deutsch-Polnischen Promotionskollegs an der LMU München, Frau Ekaterina Keding, zu richten (Ekaterina.Keding@lrz.uni-muenchen.de).

4. Kosten

Die Sommerschule wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert: Reise- und Übernachtungskosten sowie ein Teil der Verpflegungskosten werden von den Organisatoren getragen. Eine Teilnehmergebühr fällt nicht an.
Reisekosten der Teilnehmer/innen werden nach dem Bundesreisekostengesetz für Bahnfahrten 2. Klasse bzw. Flüge in der economy class unter Ausnutzung von Spartarifen und gegen Vorlage der Originalbelege im Anschluss an die Sommerschule mit Mitteln des DAAD erstattet.

5. Kontakt

Ekaterina Keding, M. A. Ludwig-Maximilians-Universität Historisches Seminar Geschwister-Scholl-Platz 1 D-80539 München
Tel.: +49 89 2180 5833 Fax.: +49 89 2180 5680 E-Mail: Ekaterina.Keding@lrz.uni-muenchen.de

Gefördert vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst
 

Ecole d'été
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Date

01/07/2018 - 07/07/2018

Délai

30/04/2018

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